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Eine Reise durch die Jahrzehnte

Festakt „100 Jahre Republik Österreich"

In den nächsten hundert Jahren wird es schwer werden, das zu überbieten, was der Fachgruppe Geschichte unter der Leitung von Prof. Mag. Michael Luger und Prof. Mag. Peter Lang am 12. November 2018 anlässlich des 100. Geburtstags der Republik Österreich gelungen ist: einen Festakt zu organisieren, der alle im Publikum Anwesenden begeistert und gleichsam nachdenklich zurückge-lassen hat.

Aber von Anfang an. Bereits im letzten Schuljahr begannen die Geschichtslehrer/innen unserer Schule damit, mit verschiedenen Klassen und Jahrgängen in Projektgruppen die letzten hundert Jahre österreichischer Geschichte aufzuarbeiten. Jede Projektgruppe bekam dabei ein Jahrzehnt zugeteilt, das es näher zu beleuchten galt. Die Ergebnisse der Arbeiten wurden auf Plakaten und in Präsentationen zusammengefasst und der Öffentlichkeit nun in Form einer Ausstellung und im Rahmen eines Festaktes im Festsaal der Schule vorgestellt.

Eröffnet wurde der Festakt von Schulleiterin Prof. Mag. Evelyn Plienegger, die mit einer mahnenden Anekdote aufhorchen ließ. Sie erzählte von einem Ausflug in ein deutsches Museum, bei dem sie unter anderem auf die Notizen einer Zeitzeugin des Dritten Reichs gestoßen war. Darin wurde auch beschrieben, dass Ordinationsschilder jüdischer Ärzte zerstört, verschmiert und verkratzt worden waren. Vor wenigen Wochen, so die Schulleiterin, hatte sie an dieses Erlebnis denken müssen, weil sie selbst gesehen hatte, wie das Ordinationsschild eines arabischstämmigen Arztes auf ähnliche Weise verunstaltet worden war. Prof. Plienegger schloss mit einer Erinnerung an die Gäste, dass auch im heutigen Österreich noch viel Arbeit zu leisten sei, wenn wir sicherstellen wollen, dass sich die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte nicht wiederholen

Danach folgte das erste große Highlight des Vormittags. Die Präsentation der Jahrzehnte österrei-chischer Geschichte durch unsere Schülerinnen und Schüler. Diese spannten gekonnt einen Bogen von 1918 bis 2018, indem sie nicht nur die Höhenflüge und Erfolge Österreichs, sondern auch des-sen dunkle Kapitel mitreißend schilderten. So wurde man mitgenommen auf eine Zeitreise, die sich von der Ausrufung der Ersten Republik über die Jahre des Austrofaschismus’ und des Dritten Reichs bis hin zu Ereignissen wie Cordoba, den Beitritt zur Europäischen Union, die Einführung des Euros und dem Aufkommen der ersten Kryptowährungen spannte. Umrahmt wurden die Auftritte der Schülerinnen und Schüler von einer Mulitmedia-Präsentation des Medienteams unter der Lei-tung von Prof. Mag. Gernot Kormann-Prietl, die dem Hauptteil des Festaktes ein zusätzliches Gänsehaut-Feeling verlieh.

Ein weiteres Highlight war schließlich der Auftritt der beiden Hauptorganisatoren des Festaktes: Die Professoren Luger und Lang präsentierten die Vorstellungen unserer Schülerinnen und Schüler darüber, wie Österreich in 100 Jahren aussehen könnte. Dabei stellte sich heraus, dass eine Vielzahl der Schüler und Schülerinnen der Meinung ist, dass Österreich auch in 100 Jahren noch eine eigenständige Republik sein werde. Zudem werde Umweltschutz immer wichtiger und die Gesellschaft immer digitaler werden. Außerdem verliehen die Schülerinnen und Schüler ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Rassismus und Fremdenhass 2118 der Vergangenheit angehören werden und die Schule der Zukunft eventuell ein wenig später beginnen würde, nämlich so gegen 10:00 Uhr. Größter Wermutstropfen: Viele Schülerinnen und Schüler denken, dass es die EU in ihrer jetzigen Form wohl nicht mehr geben werde.

Anschließend lasen Prof. Luger und Prof. Lang noch zwei Schülerbriefe vor, die dann in eine Zeit-kapsel gelegt wurden. Dazu später mehr. Ein dritter Brief wurde von Marco Spieler, Schüler der 3bk, verfasst und vorgelesen. Herr Spieler formulierte darin stellvertretend für die gesamte Schule seine Wünsche und Hoffnungen für die Schüler und Schülerinnen der BHAK/BHAS Grazbachgasse in 100 Jahren.

Der letzte Teil des Festaktes fand schließlich im Schulhof statt. Hier wurde die bereits erwähnte Zeitkapsel am Schulgelände vergraben. Sie soll erst am 12. November 2118, also zum 200. Geburtstag der Republik, wieder das Licht der Welt erblicken. Sie enthält neben Briefen auch eine aktuelle Ausgabe der Kleinen Zeitung sowie verschiedene Memorabilien, die den Schülerinnen und Schülern der Zukunft einen Eindruck davon vermitteln sollen, wie das Leben an unserer Schule und in der Gesellschaft vor hundert Jahren war. LSI Graf und Generaldirektor Gölles übernahmen das Versenken der Zeitkapsel.

Zum Abschluss dieser wirklich gelungenen Feier ließen deren Gäste schließlich noch einhundert rote und weiße Luftballons steigen, auf die sie zuvor Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft geschrieben hatten.

erstellt von Mag. Rene Kallinger, 12/11/2018